„Bling orientiert und regt zur Reflexion an.“ – Interview mit Marcel Naas

Jörg

Dr. Marcel Naas studierte an der Universität Zürich Pädagogik, Publizistik und Philosophie, bevor er an der Universität Luxemburg promovierte. Seit 2010 ist er in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung tätig. In der Bling Fachgruppe engagiert er sich ehrenamtlich mit anderen Expertinnen und Experten für ein nachhaltiges Lernkonzept der Bling Card & App. Im Interview erzählt er uns, worauf Eltern bei der Gelderziehung achten sollen und worauf bei der Bling-Entwicklung geachtet wurde.

Interview mit Dr. Marcel Naas

Wie führt man Kinder am besten an das Thema Geld heran? 

Der verantwortungsvolle Umgang mit Geld ist eine wichtige Kompetenz, die nicht mit einer einmaligen Lernsituation erlangt werden kann, sondern im Laufe des Lebens entwickelt und verfeinert wird. Kompetenzen beinhalten Wissen, Können und Wollen. Über Geld sprechen reicht also nicht. Kindern brauchen neben Faktenwissen auch Handlungskompetenz und den Willen zur Umsetzung des Gelernten. Kinder sollen Geld also auch verwalten, ausgeben und darüber nachdenken können. Und das natürlich altersgemäss mit zunehmender Verantwortung.  

Warum ist es schwieriger, Kindern den Umgang mit Geld in einer digitalen Welt beizubringen?

Die virtuelle Welt ist eine abstrakte. Um den Umgang mit Mengen (und Geld ist ja nichts anderes) zu lernen, brauchen Kinder aber Veranschaulichung. Wenn man von zehn Münzen sechs abgibt, bleiben noch vier in der Hand. Diese Erfahrung ist zentral, bevor die Menge dann auch als abstrahierte Zahl auf einem Blatt oder auf einem Bildschirm verstanden werden kann. Zudem kann man bei realem Geld auch nicht mehr ausgeben als man hat. Bei digitalem Geld ist das anders. Die Schuldenfalle für Jugendliche ist eine grosse Gefahr, wenn den Zahlen kein Wert beigemessen wird. 

Was machen viele Eltern falsch bei der Gelderziehung? Wovon würdest du abraten?

Es muss wie bei anderen zu erlangenden Kompetenzen darum gehen, die Selbststeuerung der Jugendlichen zu stärken, Verantwortung abzugeben und sich selbst immer mehr zurückzunehmen. Zu starkes Kontrollieren ist also falsch, auch Belohnen und Strafen mit Geld erachte ich als kontraproduktiv. Es geht darum, zusammen mit den Kindern deren Umgang mit Geld zu reflektieren und darüber zu diskutieren.

Worauf wurde bei der Entwicklung des pädagogischen Konzepts von Bling besonders geachtet?

Ich kann die Punkte von oben aufgreifen. Zum einen wird auf Handlungsorientierung und zunehmende Verantwortungsübernahme gesetzt. Mit gelungenen Visualisierungen wird gezeigt, wie viel Geld ein Kind erhält, spart oder ausgibt. Dies wiederum bildet die Gesprächsgrundlage für die Eltern, die ihr Kind im Sinne eines Scaffoldings (abgeleitet aus dem Englischen «scaffold» = Gerüst) mit abnehmender Kontrolle begleiten. 

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